Am Wetter liegt es nicht

Felsmassiv bei Nacht, in der Ferne die beleuchtete Festung Königstein
Der Gamrig im Mondlicht, dahinter die Festung Königstein. (Foto: Hartmut Landgraf)

Erst verhängt das Landratsamt ein Waldverbot, dann macht es die Sperre binnen vier Tagen rückgängig – und begründet es mit dem Wetter. Die Art und Weise des Vorgehens lässt andere Hintergünde vermuten. Ein Kommentar.

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Hartmut Landgraf, Herausgeber
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Die Wälder der Sächsischen Schweiz sind wieder offen. Das am Donnerstag verhängte nächtliche Betretungsverbot wurde heute zurückgezogen. Laut einer Mitteilung des zuständigen Landratsamts in Pirna ist eine weitere Sperrung angesichts der veränderten Wetterlage mit teils ergiebigen Niederschlägen nicht mehr notwendig – die Behörden hatten das Verbot mit der Waldbrandgefahr begründet. Die offizielle Meldung dazu auf der Internetseite des Landratsamts: https://www.landratsamt-pirna.de/47959.htm

Der Wetterumschwung kam freilich nicht aus heiterem Himmel, sondern war Ende voriger Woche, als die Verfügung in Kraft trat, schon absehbar. Anders als im Sommer 2018, als die Behörden nach einer langanhaltenden Dürre und zahlreichen Waldbränden schließlich ein gleichlautendes Verbot verhängten, waren der Verfügung diesmal keine größeren Brände vorausgegangen – die dem Landratsamt unterstellte untere Forstbehörde handelte vielmehr prophylaktisch – und wohl auch vorschnell. Landrat Michael Geisler (CDU) hatte sich am Wochenende persönlich in eine dazu laufende Debatte auf Facebook eingeschaltet und das Betretungsverbot verteidigt, seine Begründung jedoch als „schlampig“ bezeichnet (Screenshot).

Die Gefahr von Waldbränden ist bei entsprechend trockener Witterung nicht von der Hand zu weisen – die Frage ist, wie man ihr begegnet. Im vorigen Jahr musste die Feuerwehr zahlreiche Brände im Elbsandsteingebirge löschen, die laut Behördenangaben zumeist im Zusammenhang mit illegalen Lagerfeuern und dem Übernachten in freier Natur gestanden hätten. Ein wesentlicher, wenn nicht gar der eigentliche Hintergrund des Verbots dürfte demnach nicht die allgemeine Waldbrandgefahr, sondern ein ganz anderer gewesen sein: nämlich die beginnende Tourismus- und Outdoorsaison in der Sächsischen Schweiz. Dazu passt auch der Zeitpunkt des Verbots: kurz nach dem ersten großen Besucher-Ansturm zu Ostern. Für die Behörden, insbesondere die dünn besetzte Nationalparkverwaltung (aktuell 15 Ranger) wird es immer schwieriger, den Andrang gemäß den Erwartungen an eine geschützte Landschaft zu steuern – die Folgen sind sichtbar: von Trittschäden im Gelände über den zunehmenden Geräuschpegel und die damit verbundenen Störungen für Tiere und Pflanzen, hin zu Müll und Fäkalien in der Natur oder gar illegaler Feuerei an teils buchstäblich brandgefährlichen Stellen.

Ein pauschales Waldbetretungsverbot als Antwort ist jedoch die denkbar schlechteste Antwort. Vor Gericht ist es – zumal über längere Zeit – kaum haltbar. Zudem lassen sich damit die Probleme nicht in den Griff bekommen – sie sind ja nicht an eine bestimmte Tages- oder Nachtzeit gebunden! Und zu allem Überfluss bestraft es gerade jene, die bereit sind, sich um der Natur willen an Regeln – etwa ein zeitweiliges Betretungsverbot – zu halten. Die anderen werden sich darum genauso wenig scheren, wie es sie bislang nicht gekümmert hat, dass offenes Feuer im Wald generell, zu jeder Zeit und sachsenweit verboten ist oder dass es ausgewiesene Plätze im Nationalpark gibt, wo man legal unter freiem Himmel übernachten kann. Will der Freistaat nicht Gefahr laufen, die Einsichtigen und damit auch viele Befürworter maßvoller und nachvollziehbarer Beschränkungen zu verlieren, wird er nicht umhin kommen, Geld in die Hand zu nehmen und die Nationalparkverwaltung personell so auszustatten, dass sie ihren Aufgaben und Befugnissen auch gerecht werden kann.

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