Mehr Freiheit in tschechischen Nationalparks

Prebischtor
Das Prebischtor ist das touristische Wahrzeichen der Böhmischen Schweiz. Sein Umfeld aber gehört zu den am strengsten geschützten Bereichen des tschechischen Nationalparks. (Foto: Siegfried Großmann)

Tschechien plant Änderungen im Umweltrecht. Wanderer könnten dadurch mehr Bewegungsfreiheit im Nationalpark Böhmische Schweiz bekommen. Ein entsprechender Gesetzentwurf wird im Nachbarland zurzeit heiß diskutiert.

Tschechiens vier Nationalparks – unter ihnen die Böhmische Schweiz – sollen sich künftig mehr für den Tourismus öffnen. Das sieht ein Gesetzentwurf vor, der noch in diesem Jahr vom tschechischen Parlament verabschiedet werden könnte. Wie das Prager Umweltministerium dem Sandsteinblogger bestätigte, würde die Gesetzesnovelle unter anderem einige Lockerungen für Wanderer mit sich bringen. Bislang darf man in der Böhmischen Schweiz die am strengsten geschützte Zone I des Nationalparks nur auf markierten Wegen betreten. Ansonsten ist das Herumwandern in der Kernzone verboten. Künftig soll sich dieses Verbot „nicht mehr auf die gesamte Zone I, sondern nur noch auf einige Teilstücke beziehen“, erklärte eine Sprecherin des Ministeriums auf Nachfrage. Nur, wo besondere Naturschutzgründe eine Regelung erforderten, soll das Verbot auch weiterhin bestehen bleiben. Ziel der geplanten Gesetzesänderung, so hieß es, sei im Wesentlichen dreierlei: die Natur zu schützen, den angrenzenden Gemeinden mehr Mitspracherechte einzuräumen und den Tourismus zu fördern.

Nationalpark-Kernzone soll kleiner werden

Wie viel Freiheiten Wanderer am Ende wirklich genießen, wird aber wohl nicht pauschal, sondern von Fall zu Fall auf der Fläche entschieden – sprich von der Nationalparkverwaltung. Deren Sprecher Tomáš Salov erklärte denn auch gegenüber dem Sandsteinblogger unmissverständlich, dass seine Behörde in jedem Fall die „Kontrolle in der Hand behalten“ werde. Die Zone I macht derzeit etwa ein Fünftel des böhmischen Nationalparks aus (siehe Skizze).

Kernzone Böhmische Schweiz
Die Kernzone (Zone I) nimmt gegenwärtig etwa ein Fünftel des rund 80 Quadratkilometer großen Nationalparks Böhmische Schweiz ein. Nach der Gesetzesänderung soll sie um etwa 10 Prozent schrumpfen. (Abb: Nationalparkverwaltung Böhmische Schweiz)

Unter anderem gehören die idyllische Kirnitzschklamm und die Gebiete ums berühmte Prebischtor dazu. Außerhalb der Kernzone gelten im böhmischen Nationalpark schon heute ziemlich liberale Wanderregeln. So dürfen Wanderer dort laut Salov auch abseits der Wege frei im Wald herumlaufen und beispielsweise Pilze und Beeren sammeln. Im benachbarten Nationalpark Sächsische Schweiz ist das verboten – auch außerhalb der Kernzone. Im Zuge der Gesetzesänderung könnten die böhmischen Ruhebereiche nun um weitere zehn Prozent schrumpfen. Die Frage ist, wo!

Kernzonenschild
In der Kernzone ist Wandern nur auf markierten Wegen erlaubt. (Foto: Nationalparkverwaltung Böhmische Schweiz)

Dahingehend dämpft Salov schon mal einige aus Naturschutzsicht allzu weit gehende Hoffnungen, wie etwa die Öffnung des umstrittenen Grenzwegs zum Prebischtor. „Das Gebiet ums Prebischtor wollen wir nicht weiter parzellieren“, sagt der Nationalparksprecher. Dagegen würden unter anderem Naturschutzgründe wie die Ansiedlung des Haselhuhns und Auerhuhns in diesen Gebieten sprechen. In der Wanderszene werden immer wieder Forderungen nach mehr grenzüberschreitenden Wandermöglichkeiten im Gebiet der Nationalpark-Kernzonen laut. Dabei geht es zumeist um altbekannte, aber verbotene Pfade und Wege – beispielsweise im Großen Zschand. Im Gebiet ums Prebischtor, mit seinen schon heute rund 200.000 Besuchern pro Jahr, wären tourismusfördernde Maßnahmen völlig unnötig und kaum plausibel, sagt Salov.

Unklar ist zudem, wie lange sich der Gesetzgebungsprozess hinziehen wird. Der tschechische Senat hatte die Pläne schon im vergangenen Juli gebilligt. Laut einem Bericht der Prager Zeitung wurde die noch ausstehende Entscheidung des Parlaments ursprünglich für Ende 2014 erwartet. Doch tschechische Umweltschützer laufen Sturm gegen die Neuregelung. Wie die Zeitung berichtet, hat der Naturschutzverband Hnutí Duha dem tschechischen Abgeordnetenhaus im Herbst eine Petition mit 42.000 Unterschriften gegen den Gesetzentwurf vorgelegt. Die Kritik sei vor allem von der Sorge getragen, dass mit dem neuen Gesetz kontroverse Bauprojekte und die fortschreitende Kommerzialisierung der Nationalparkgebiete ermöglicht würden.

2 Kommentare zu Mehr Freiheit in tschechischen Nationalparks

  1. Ein interessanter Bericht, der erst mal gut klingt. Wobei es schon bezeichnend für die Grundeinstellung in beiden Nationalparkverwaltungen ist, wenn der tschechische Sprecher Tomáš Salov schon mal ankündigt, die Neuregelung torpedieren zu wollen. Seit fast 20 Jahren höre ich beispielsweise auf die Frage nach dem Grenzweg die Mär von der „Ansiedlung des Haselhuhns und Auerhuhns“. So ein gequirlter Unfug. Seit 20 Jahren wird darüber geredet, und bis heute ist nicht ein Wimpernschlag in diese Richtung passiert. Und es wird auch keiner mehr passieren, da wette ich um ein Kernzonenschild. Hier geht es im Kern eher darum, dass bestimmte Leute in den Verwaltungen jeden gesperrten Weg als einen „guten“ Weg betrachten, weil dort eben der ach so böse Mensch nicht unterwegs ist. Und so wird auch eine gesetzliche Neuregelung in Tschechien praktisch nicht viel bringen. Vielleicht ein oder zwei unbedeutende Wege.
    Und für den Grenzweg empfehle ich im Falle einer unliebsamen Begegnung einfach einen Sprung hinter den nächsten Grenzstein – im jeweiligen Ausland stehend kann einem der Ranger dann nämlich gar nichts mehr. Fragt sich nur, wer dann mehr Geduld hat.

  2. Schöner Gedanke, 12 Uhr mittags, der Ranger sitzt hinterm Grenzstein … und ruft seinen böhmischen Kollegen. Der kommt von hinten. Was dann?

    Aber im Ernst. Ich wette zwei Kernzonenschilder dagegen und erhöhe um ein böhmische 1.Zona-Schild, dass wir den hier dargestellten Sachverhalt einmal als den Beginn eines Umdenkens erinnern werden. Natürlich muss der böhmische „Naturschützer“ genau so auf seinen „Schaahtz!“ fixiert sein wie die sächsischen. Aber, dass es in der dortigen Regierung überhaupt diese Gedanken und politische Bestrebungen gibt, das ist doch bemerksenwert und weckt Hoffnungen. Geduld – auch der längste Weg beginnt mit einem einzigen Schritt und auch unter den größten Bäumen bleibt es nicht ewig trocken. Die Befürchtungen, dass mit einer solchen Lockerung auch dem kapitalistischen Vermarktungsdruck Tür und Tor geöffnet werden teile ich sogar. Aber trotz Psycho werden immer noch lange Messer hergestellt. Soll heißen, man soll nicht aufgrund möglichen Missbrauchs gleich alle anderen Möglichkeiten blockieren. Nur die Auerhuhngeschichte ist natürlich eine leere Hose. Ich lese soeben „Ornis“ von Reichholf und da kann man fundiert erfahren, dass eine erloschene Population von diesen Großvögeln sich mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit nicht wieder von selbst ansiedeln wird, auch wenn das Biotop auf den Auerhahnwänden recht passend wäre. Da müsste man schon einige Hühnerfamilien aussetzen. Aber selbst dann – würden Wegesperrungen zu den Aufzuchtzeiten für den Schutz ausreichen. Aber lassen wir unsere Freunde im Südviertel erst mal machen. Ich habs mit Frohlocken vernommen. Danke.

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