Spargelzeit im Rucksack

Spargelgericht mit Schweinesteak auf dem Waldboden
Hollandaise war gestern! Schweinesteak in Dunkelbier-Marinade an Spargel mit Rucola und Erdbeeren und einer Zitronen-Honig-Mohn-Vinaigrette - oder war´s umgekehrt? Alles selbstgeschleppt und auf dem Waldboden gekocht. (Foto: Ein hungriger Helmut Schulze)

Auch beim Boofen kann man sich prima vegetarisch und gesund ernähren – wenn ans Gemüse noch ein paar wertvolle Zutaten kommen: Schweinesteak, Erdbeeren, Bier und Eierkuchenteig. Fein abgeschmeckt und angerichtet nach Art der Blog-Biester.

Egal wo: Dana und Dani kochen ungern auf Sparflamme. Unsere beiden Hobby-Gourmets sagen der geschmacklichen Tristesse im Rucksack den Kampf an und ziehen in ihrer neuen Kolumne auf Sandsteinblogger.de alle kulinarischen Register. Selbst wenn die Kraxe 20 Kilo wiegt, der Wind den Kocher auspustet und der halbe Wald in den Topf fällt. Die Kocherei da draußen ist eben ein bisschen – na, sagen wir mal: speziell. Aber: Der Mehraufwand lohnt sich – und das Ergebnis schmeckt verboten lecker! Heute: Spargel mit Steak, Rucola, Erdbeeren und einer Zitronen-Honig-Mohn-Vinaigrette.

Mal was von der Stange machen

Dani: Wenn´s draußen grün wird und die warmen Sonnenstrahlen die Natur förmlich zum Explodieren bringen, koche ich gerne – mit Spargel. Das ist zwar nichts Besonderes, aber ich finde die Pflanze interessant. Wusstet ihr, dass Spargel eigentlich ein Liliengewächs ist? Schon im Mittelalter war er für seine heilsame Wirkung bekannt. Auch heute noch schätzt man ihn wegen seiner gesundheitsfördernden Wirkung. Und wegen seines Geschmacks. Ich mag grünen Spargel am liebsten. Er braucht nicht geschält zu werden – und ein paar Minuten in der Pfanne genügen, um ihn zu garen.

Aber wie campingkochertauglich die grünen Stangen sind, hab ich noch nie getestet. Höchste Zeit für einen „Feldversuch“. Zwar kommen meine Versuchsobjekte von spanischen Feldern und nicht aus Omas Gewächshaus, aber lecker sind sie trotzdem. Ich habe mich für die Salat-Variante entschieden. Zusammen mit Rucola und Erdbeeren und einer Zitronen-Honig-Mohn-Vinaigrette. Das Ganze hört sich schwerer an, als es tatsächlich ist. Das Dressing kann man schon zu Hause vorbereiten, um bei der Zubereitung Zeit zu sparen. Draußen müssen dann bloß noch die Erdbeeren und der Spargel geschnippelt werden. Der Mohn wird etwas angeröstet, sodass er sein Aroma voll entfalten kann. Anschließend den Spargel zehn Minuten andünsten. Dann alles vorsichtig vermengen. Fertsch!

Drei Frauen mit schweren Rucksäcken
Frauen auf dem Weg zur Arbeit 😀 Kein weiterer Kommentar. (Foto: Helmut Schulze)
Zwei Frauen, die Spargel und Erdbeeren auf einem Felsblock sortieren.
Rucksack-Inventur. Anscheinend nix vergessen. (Foto: Helmut Schulze)

Unsere Steaks sind als erste betrunken

Dana: Jetzt mal alles schön der Reihe nach! Unsere Spargelzeit beginnt nämlich nicht beim Kochen oder Essen, sondern mit einem super beschwerlichen Anmarsch zur Boofe. Eigentlich sogar noch früher – mit einem Kommentar zu unserer letzten Geschichte. Da ging´s um ein Quinoa-Rezept, und einer unserer Leser – in diesem Fall trifft die männliche Endung zu – hatte beklagt, dass bei unserer Kocherei deutlich zu wenig Fleisch im Spiel sei. Das haben wir prompt beherzigt, und zum Spargel noch ein paar leckere „Beilagen“ eingekauft. Die Fotografen, die uns begleiten, werden wohl kaum was dagegen einzuwenden haben.

Kann natürlich sein, dass man dann zu guter Letzt eine 25-Kilo-Kraxe auf dem Rücken schleppt – Essen für fünf, Erdbeeren, rohe Eier, jede Menge Fleisch in klebriger Marinade. Die Steaks sind in Dunkelbier eingelegt – wir haben ja Männer dabei! Und das alles muss ich irgendwie heil, und ohne ein matschiges Chaos im Rucksack anzurichten, zur Kochstelle hochbuckeln. Es geht steil bergauf, ich komme mächtig ins Schwitzen, die schwere Pfanne, die draußen am Rucksack hängt, schlenkert mir immer wieder gegen den Kopf. Bloß gut, dass ich das Fleisch mehrfach sicher in Zipperbeuteln neben den Eiern und Erdbeeren verstaut habe, sonst wäre unser Kochtripp vielleicht zur Schlammschlacht geworden. In der Boofe angekommen, gibt´s zur Erfrischung gleich mal einen Pott Wein. Schlimm genug, dass unsere Steaks als erste betrunken sind. Wir müssen aufholen!

Nur mit Mühe bekomme ich das Fleisch aus den Tüten geangelt, dabei bleibt die Marinade an meinen Händen und Ärmeln kleben, hoffentlich bekomme ich das später mit Laub und Zitronensaft wieder sauber. Der Deckel für die Pfanne musste aus Platzgründen zu Hause bleiben, was sich später beim Fleischbrutzeln rächt – das Öl spritzt mir als feiner Nieselregen auf die Hose. Nebenbei schnippel ich ein Bund Bärlauch für Bärlauchbutter klein. Schon bald riecht´s im ganzen Wald nach Essen. Vielleicht wird das heute Nacht den einen oder anderen Fleischfresser anlocken. Egal. Wozu hatten wir noch mal die Männer mitgenommen?

Frauen kochen unterm Felsüberhang
Felsdach, Gaskocher, ein Tischtuch aus Laub – Mehr Küche braucht kein Mensch. (Foto: Helmut Schulze)

Holt bitte einer die Sterne für uns runter?

Dani: Kochen mit schöner Aussicht – und dann beim Essen den Blick in den Sternenhimmel genießen. Klang nach einem guten Plan. Unser Wunsch-Koch-Spot ist die obere Boofe am Kleinen Lorenzstein – ein perfekter Platz für Sternstunden. Doch als wir dort ankommen, ist das Band zu meiner Enttäuschung von vorn bis hinten belegt, sogar ein Zelt steht da mitten unterm Fels. Für uns ist dort beim besten Willen kein Platz mehr.

Frau studiert ihr Smartphone
Dani blättert lieber noch mal im Kochbuch… (Foto: Helmut Schulze)

Der Traum von der schönen Aussicht platzt wie eine Seifenblase. Wir müssen irgendwo unten im Wald Exil suchen. Da soll es noch andere Boofen geben. Die Sucherei nach dem Schlafplatz erweist sich als wahrer Trim-Dich-Pfad. Zumindest mit den großen Kraxen. Wir müssen balancieren, überwinden, schleichen,  queren und kriechen. Und die ganze Zeit ist nicht ganz klar, ob wir mit den Rucksäcken – oder die Rucksäcke mit uns – herumspazieren. Schließlich finden wir aber unser Exil. Es dämmert bereits ordentlich. Und unser neues Nachtlager kommt uns eher wie ein modriges Kellerloch vor. Kann bitte mal einer die Sterne für uns runterholen?  Na gut, dann müssen wir eben selbst Gemütlichkeit schaffen. Schnell packen wir unsere Laternen und Teelichter aus. Luftentfeuchter und Schimmel-Ex hätten wohl auch ihren Dienst getan, aber wir sind hart im Nehmen und wissen, wie man aus der Not eine Tugend macht – die Blog-Biester in ihrem Element! Bald schon können wir uns den Genüssen des Abends widmen. Und Stunden später, als wir mit vollen Bäuchen aus dem Schlafsack in die Dunkelheit spähen, entdecken wir – in einer Lücke zwischen den Baumwipfeln – sogar ein paar Sterne am nächtlichen Firmament.

Hurra, wir bauen eine Torte!

Dana: Manchmal sind die schwierigsten Dinge ganz einfach, wenn man den Blickwinkel ändert. Unter unseren Gästen ist zufällig ein Geburtstagskind, und das ist eine echte Herausforderung! Tagelang quäle ich mich mit dem Gedanken herum: Was sollen wir bloß zum Nachtisch machen? Einen Kuchen zu kaufen fällt aus. Und mit dem Campingkocher kann man keinen Kuchen backen, soviel ist klar. Da fällt mir plötzlich das alte Kinderbuch von Pettersson und Findus wieder ein, die für jedes Problem eine Lösung finden. Na klar, wenn wir keine Torte backen können – dann müssen wir eben eine bauen! Aus Eierkuchen. Eine Eierkuchentorte.

Zwei Frauen, die Steak braten
Bitte wenden! (Foto: Helmut Schulze)

Eier, Mehl, Zucker, Öl und natürlich eine extra Pfanne, mehr braucht es dafür nicht. Vielleicht noch ein Schneebesen, eine Kelle, ein Heber – und zwei zusätzliche Teller. Irgendwie müssen die zusätzlichen Kilos ja in den Rucksack gekommen sein. Ich mische die Zutaten zusammen und beginne einen weichen Teig zu formen. Los geht’s, die erste Kelle Teig landet in der Pfanne. Jetzt darf nur nichts schiefgehen. Und es sieht prima aus, schön rund ist der erste Eierkuchen, fest wird er auch, nun noch umdrehen und auch die zweite Seite goldgelb backen. Es funktioniert, die Sache beginnt Spaß zu machen – und im Handumdrehen liegt ein gutes Dutzend Eierkuchen auf den Tellern. Gezählt habe ich sie nicht. Wir schnippeln noch ein paar Erdbeeren in dünne Streifen, die brauchen wir zum Füllen. Nun geht’s an die Bastelei. Wir schichten Eierkuchen um Eierkuchen aufeinander, dazwischen kommen jeweils Zitronenjogurt, Erdbeeren, Heidelbeeren und Erdbeermarmelade, bis eine Torte von ganz beachtlicher Höhe entstanden ist. Geburtstagskerzen dürfen auf dem Tortengipfel nicht fehlen und Wunderkerzen stecken wir auch noch ein paar dazu. Der alte Pettersson und sein Kater hätten es nicht besser gekonnt. Happy Birthday!

Mann mit Eierkuchentorte
Happy Birthday, lieber Helmut… (Foto: Ein hungriger Thomas Pöschmann)

 

Das Rezept

Rucolasalat mit grünem Spargel und Erdbeeren in Zitronen-Honig-Mohn-Vinaigrette

  • 100g Erdbeeren
  • 8 Stangen grünen Spargels75g Rucola
  • 1 Zitronen20g Honig
  • 10g Blaumohn
  • 4 EL Olivenöl
  • Salz, Pfeffer
  1. Spargel von den unteren Enden befreien, schräg vierteln. Erdbeeren putzen und längs achteln.
  2. Zitronensaft mit Honig und 2 EL Öl zu einer Vinaigrette verrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken.
  3. Mohn in einer Pfanne/Topf ohne Öl für ca. 3 Minuten anrösten und anschließend abkühlen lassen.
  4. In der zuvor verwendeten Pfanne/Topf den Spargel in etwas Öl bei mittlerer Temperatur kurz anbraten. Anschließend mit wenig Wasser ablöschen und noch ca. 6 Minuten weiter garen lassen. Das Ganze mit etwas Salz würzen.
  5. Rucola und Erdbeeren in eine Schüssel geben und vorsichtig mit dem gerösteten Mohn und der Vinaigrette vermengen.
  6. Den Salat anrichten und den gegarten Spargel darüber geben.

 

Schweinesteaks in Bier-Senfmarinade

  • 4 Schweinestaeks
  • 4 EL Senf
  • 8 EL Starkbier
  • 8 EL Olivenöl
  • Thymian
  • Rosmarin
  • Salbeiblätter
  • Zwiebel
  • Knoblauch
  • Salz
  • Pfeffer
  1. Die Kräuter frisch und ca. jeweils 8 Stängel verwenden.
  2. Die Steaks waschen, trocken tupfen und von beiden Seiten mit Salz und Pfeffer würzen.
  3. Eine Marinade aus Senf, Bier und Olivenöl herstellen und die Steaks damit von beiden Seiten bestreichen. Zwiebelringe, den klein geschnittenen Knoblauch und die Kräuter zwischen die Steaks schichten, alles in einen Zipperbeutel einlegen und kühl für mindestens 6 Stunden lagern.

 

Hähnchenbrust in Olivenöl-Zitronenmarinade

  • 4 Hähnchenbrustfillets
  • 4 EL Senf
  • 8 EL Olivenöl
  • 2 Zitronen
  • Thymian
  • Rosmarin
  1. Das Fleisch waschen und trocken tupfen und mit der Marinade aus Olivenöl und Senf von beiden Seiten bestreichen.
  2. Die Zitronen in Scheiben schneiden und mit jeweils einem Stängel der frischen Kräuter zwischen das Fleisch schichten. Alles im Zipperbeutel wiederum für mindestens 6 Stunden kühl lagern.

 

Eierkuchentorte

Teig:

  • 5 Eier
  • 400 ml Milch
  • 3 EL Zucker
  • 250 g Mehl
  • 100 ml Mineralwasser

Zitronenjogurt:

  • 500 g Naturjogurt (3,5%)
  • den Saft von 1-2 Limetten
  • Agavendicksaft nach Geschmack
  1. Eier, Milch, Zucker verquirlen, das Mehl nach und nach unterrühren. Wasser hinzufügen, gut umrühren. Den Teig in Keimöl von beiden Seiten goldgelb backen.
  2. Die fertigen Eierkuchen mit Zitronenjogurt und Erdbeermarmelade bestreichen, klein geschnittene Erdbeeren und Heidelbeeren darauflegen und die Eierkuchen übereinander- schichten. Zum Schluss nochmals mit Erdbeeren und Blaubeeren garnieren, Kerzen und Wunderkerzen in die Torte stecken.

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