Thorsten Kutschke: „Fürs Gebirge gibt es kein Drehbuch“

Thorsten Kutschke
Thorsten Kutschke ist das Gesicht und die Stimme von MDR-BIWAK. (Foto: MDR/BIWAK)

Der BIWAK-Moderator über Regiepläne und Zufälle, widriges Bergwetter – und Geschichten, die in die Tiefe gehen.

Nach einem halben Jahr Sendepause ist das beliebte Bergsportmagazin BIWAK wieder zurück im MDR-Fernsehen. Wie schon im vergangenen Jahr war das Team um Thorsten Kutschke erneut ausgiebig im „Wilden Osten“ unterwegs – diesmal in der Niederen Tatra und in der Adersbacher Felsenwelt. Zwei im Grunde völlig verschiedene Bergwelten. Bis auf gewisse Ähnlichkeiten beim Wetter…

 

Thorsten, auf dem Ďumbier ist die BIWAK-Mannschaft ja ganz schön im Nebel herumgetappt. Warum habt ihr nicht auf besseres Wetter gewartet? Gab´s kein Bier mehr auf der Hütte?

… (lacht) Mit dem Wetter hadern wir schon seit einer ganzen Weile. Da hat uns anscheinend das Glück verlassen. Als wir den Wetterbericht hörten, war uns klar, dass es mit einer so schönen Sicht, wie im vorigen Jahr in der Hohen Tatra, diesmal nichts wird. In den nächsten Tagen wäre es nur noch miserabler geworden. Angekündigt war Dauerregen ohne Aussicht auf Besserung. Da macht es einfach keinen Sinn, länger zu warten. Irgendwann bist du komplett durchgeweicht – und die Technik auch. Also haben wir uns spontan für den Abstecher ins Biosphärenreservat Polana entschieden. Und das war das Beste, was wir machen konnten.

Dafür hattet ihr unversehens einen knuffigen vierbeinigen Begleiter, der dann ein wichtiger Protagonist der Story wurde. Wie oft führt bei euren Abenteuern Kollege Zufall Regie?

Sehr oft. Meistens gucken wir uns vorher nur ein Gebiet aus und entwerfen einen groben Fahrplan für die Geschichte, einen roten Faden. Aber im Gegensatz zu anderen Sendungen gibt es bei uns kein Drehbuch. Wir nehmen die Dinge, wie sie kommen, auch wenn sie mal aus dem Ruder laufen und unvorhergesehene, putzige Sachen passieren. Dem geben wir dann ganz bewusst Platz, weil die Handlung dadurch viel authentischer ist. Wenn jemand vor laufender Kamera Scheiße brüllt, weil er gerade wirklich Grund dazu hat. Oder wenn das Wetter nicht so mitspielt, wie wir uns vielleicht gewünscht hätten. Wer in den Bergen unterwegs ist, der weiß, dass solche Dinge passieren können. Immer nur Postkartenwetter – das ist nicht BIWAK! Der Zufall spielt mit, und meistens ist er auch zeigenswert.

So wie der konzentrierte Zoom ins Dekolleté der Hüttenwirtin am Ďumbier?

…(lacht) ja, für solche kleinen Schmunzetten am Rand sind wir natürlich auch zu haben.

An der Hlaska
Frank Wehner kämpft mit dem Talriss an der Hlaska (Wachturm). Der Riss ist mit der Schwierigkeit VIIIb eingestuft, wird aber schwerer eingeschätzt. (Foto: MDR/BIWAK)
Im Nachstieg an der Hlaska
Sieht entspannt aus – ist es aber nicht. Julia Maul im Nachstieg an der Hlaska. (Foto: MDR/BIWAK)

In der nächsten BIWAK-Sendung geht´s am Mittwoch nach Adersbach zum Risseschrubben – auch da war das Wetter nicht gerade auf eurer Seite.

So ist Adersbach. Viele, die dort mal hingefahren sind, können ein Lied davon singen. Gleich zu Anfang hatten wir einen ganzen Tag lang Regen und konnten gar nichts machen. Einige haben dann schon begonnen, mit den Hufen zu scharren. Dann sucht man nach Wegen, die schnell abtrocknen und wo vielleicht schon was geht. Und wenn du gerade mit irgendwas angefangen hast, kommt die nächste Husche. Das sieht man bei unseren Aufnahmen an „Des Teufels Schwiegermutter“. Wer diesem grünen Ungeheuer aufs Dach steigen will, braucht sowieso schon eine große Portion Humor. Und manchmal wie in unserem Fall – dann noch einen Regenschirm.

Die Felsenstadt ist ja vor allem für ihre Risse berühmt – und gefürchtet. Hat euch das gereizt?

Ja, das war schon der Grund, weshalb wir dort hingefahren sind. Insofern sind wir richtig froh, dass es mit der Hlaska noch geklappt hat. Der Talriss ist ein Scharfrichter, nach Adersbacher Berwertung Schwierigkeit VIIIb, von den Sachsen wird er aber auf IXa bis IXb eingeschätzt. So schwere Risse findet man in Sachsen nicht und wir haben erlebt, wie sehr das selbst einen wie Frank Wehner anstrengt, der zu den besten sächsischen Risskletterern gehört. Da muss kameratechnisch alles klappen, denn jemanden dort zweimal durchzuschicken, wäre nicht zumutbar. Zudem sitzt uns die Zeit im Nacken, denn sobald wir beim MDR vom Hof rollen, tickt die Budgetuhr.

Baustelle
Einer geht noch! Um des „Teufels Schwiegermutter“ aufs Haupt zu steigen, hilft nur ausgiebig bauen. (Foto: MDR/BIWAK)

Was kommt als nächstes wildes Klettergebiet – Belogradtschik?

Irgendwann ist das Budget erschöpft. Inzwischen sind wir auch auf Island gewesen, davon handelt unsere nächste Staffel im Mai. Aber im Sommer werden wir uns dann erstmal wieder mit der Sächsischen Schweiz beschäftigen, denn wir wollen die Heimat ja nicht vergessen. Da geht es ums 45. Treffen Junger Bergsteiger, wahrscheinlich noch mal um die Stativkarawane und um kletternde Frauen.

BIWAK hat in den vergangenen Jahren mehrfach das Sendeformat gewechselt. Ist jetzt mit drei bis vier Staffeln pro Jahr der passende Modus gefunden?

Ganz ehrlich, am Anfang war ich skeptisch – aber inzwischen bin ich damit ganz zufrieden. Das gibt uns die Möglichkeit, Dinge längerfristig vorzubereiten und mehr in die Tiefe zu gehen. Nicht so wie früher, drei Themen in 30 Minuten, sondern mit mehr Zeit und Ruhe. Den Geschichten tut das gut.

Wir alle würden uns BIWAK noch ein bisschen öfter wünschen.

…(lacht) Ich auch.

 

Hier gehts zum –> Trailer und zur Facebookseite von BIWAK

Demnächst bei BIWAK:

Die Reihe „Biwak im Wilden Osten“ geht am nächsten Mittwoch weiter. Nach der Tour in die Niedere Tatra begleiten Thorsten Kutschke und sein Team diesmal eine Gruppe sächsischer Kletterer in die Adersbacher Felsenwelt. Für das berüchtigte Klettergebiet östlich vom Riesengebirge muss man schon ein bisschen verrückt sein. Die Routen sind abenteuerlich und schlecht bis gar nicht abgesichert. „Ohne Schiss im Riss – sächsische Kletterfreuden in Adersbach“ – am 29. April, 21.15 Uhr im MDR-Fernsehen. Alle Sendetermine 2015 gibt´s –> hier

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