Keinen Funken Verstand

Ein Kommentar

Grill auf einem Felsriff
Da steht er – und wartet, dass ihn jemand wegräumt. Dieser Grill auf einem Riff an der Häntzschelstiege hätte leicht zum Auslöser eines Waldbrands werden können. (Foto: Sven Legler)

Mutterseelenallein steht ein Grill auf einem Riff hoch über dem Affensteingebiet. Begreifen manche „Naturgenießer“ überhaupt, was sie mit dieser Art Romantik riskieren?

Den Geruch werde ich nie vergessen: Das ganze Unterholz stank danach. Von der spärlichen Heide, den kleinen Birken, dem Farn und der trockenen Humusschicht war nichts als eine faserige Ascheschicht übrig geblieben. Der Wald hatte sich in eine hässliche schwarze Steppe verwandelt – bis vor zur Felskante. Man musste höllisch aufpassen, wohin man trat, der Boden war stellenweise noch so heiß wie eine Kochplatte. Ein klitzekleines Lagerfeuer! Es brauchte 70 Feuerwehrleute, einen Helikopter, eine kilometerlange Schlauchleitung vom Zeughaus sowie 250.000 Liter Wasser, um mit diesem bisschen Romantik fertigzuwerden. Das war im Juni 2008, auf einem Riff oberhalb der Meilerschlüchte.

Dazu hätte es jetzt an der Häntzschelstiege auch wieder kommen können. Fotografen fanden auf einem Riff hoch über dem Affensteingebiet einen einsamen Baumarktgrill mit abgebrannter Kohle, nebenan im Wald lagen eine Plastetüte, leere Bierflaschen und Mayonnaise – womöglich Rückstände einer Männertagstour. Diesmal ging es gut. Aus der Grillparty wurde kein Waldbrand. Es blieben nicht mal Spuren zurück, weil die Fotografen den zurückgelassenen Grill kurzerhand zerlegten und ihn und den Müll mit ins Tal nahmen.

Also schnell vergessen und Schwamm drüber? Mir geht diese Sache nicht aus dem Kopf. Wie kann es sein, dass jemand, der doch offensichtlich einen Sinn für schöne Aussichtsplätze hat, so wenig Weitblick und Naturgespür besitzt, dass er bei trockenem Wetter auf einem Riff mit Grillkohle hantiert, wo der Glutregen vom Wind in alle Himmelsrichtungen getragen wird. Vom Feuerverbot im Nationalpark ganz zu schweigen. Warum macht sich jemand die Mühe, einen Grill und einen Sack Holzkohle die Häntzschelstiege hochzuschleppen – wenn nicht aus dem einzigen Grund, dass er es genießt, in so schöner Landschaft zu picknicken. Und dann reicht´s nicht, um den Müll wieder mitzunehmen? Das ergibt doch keinen Sinn. Irgendetwas vermisse ich – irgendwas fehlt bei dieser Partygeschichte. Vielleicht ein Fünkchen Verstand.

Feuerwehrleute auf dem Alten Wildenstein
Feuerwehrleute auf dem Alten Wildenstein. So entsteht ein Waldbrand, wenn niemand eingreift. Die Glut frisst sich in die Erde, schwelt unter der trockenen Humusschicht weiter und breitet sich in alle Richtungen aus. Nach Informationen der Nationalparkverwaltung gab es in der Sächsischen Schweiz in den letzten sieben Jahren rund ein Dutzend Vorkommnisse, bei denen aus einem Lagerfeuer im Nachgang ein kleinerer oder größerer Waldbrand wurde. (Foto: Heike Welzel)

4 Kommentare zu Keinen Funken Verstand

  1. Tja, Verstand ist ein rares Gut auf Erden. Solchen Idioten ist zu danken, dass man heutzutage nicht mal mehr bei 40 cm Schnee in der Boofe ein Feuerchen machen darf. Danke schön, ihr Trottel.

  2. keiner, der ein geringes Mass an Naturverständnis aufbringt, kann ein solches Handeln verstehen. Verstand ist von solchen Typen nicht zu erwarten, sie haben keinen. Danke an diejenigen die ihre Zeit und Kraft dafür geopfert haben, den Schmutz anderer zu beseitigen.

  3. Tja ich bin der Meinung die Natur ist wirklich überlastet.Es fängt im Kirnitschtal an und hört im Brandt auf.90 Prozent aller Touristen werden sicherlich nicht Gebiete betreten die sie nicht kennen.Es bilden sich aber doch Gruppen die sich sagen hier komme ich nästes Jahr wieder her.Das Land Sachsen muss eine Lösung finden den Tourismusstrom auf Bahnen zu lenken.Aufklärung wäre eine Alternative zu komplett nur „Reinkarren“.Wenn ich im Hotel schon weiß was mich erwartet.Dann habe ich ein gewisses Bild vor Augen.Ich verarbeite es besser.Das Bild im Hotel ist der erste Eindruck.Dort sollte der Naturschutz bzw. die Kultur der Sächsichen Schweiz ganz oben stehen.

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