Waldbrand am Frienstein

Waldbrand in einem Riffwäldchen
Dieses einsame Riffwäldchen oberhalb vom Frienstein stand gestern lichterloh in Flammen. Auch heute mussten die Ranger des Nationalparks dort noch Wache halten. (Foto: Maik Hille/Nationalparkverwaltung)

Erneut hat eine illegale Feuerstelle einen Feuerwehr-Großeinsatz im Nationalpark ausgelöst. Unweit vom Reitsteig stand ein Riffwäldchen von der Größe eines Handballfelds in Flammen. Ein besorgniserregender Trend.

Die Probleme mit der illegalen Feuerei im Nationalpark reißen nicht ab. Erneut haben gestern gedankenlose Romantiker auf einem Felsriff unweit vom Frienstein in den Affensteinen einen Waldbrand ausgelöst. Am Nachmittag hatte ein Wanderer die Rauchsäule von der Oberen Affensteinpromenade aus entdeckt und telefonisch Alarm geschlagen. Als Frank Rainer Richter und sein Kollege das Riff erreichten, stand das Wäldchen bereits an einigen Stellen lichterloh in Flammen. Eine Fläche von rund einem halben Hektar – größer als ein Handballfeld. Die beiden Nationalparkmitarbeiter, die zufällig in der Nähe zu tun hatten, waren die Ersten, die den Kampf mit dem Feuer aufnahmen. „Die trockenen Heidelbeersträucher sind in Flammen aufgegangen wie bei einem Steppenbrand“, sagt Richter. „Wir sind wie verrückt mit der Schaufel drum herum gesprungen, aber wir konnten nichts machen.“

Verbranntes Waldschnepfengelege
Auch das Gelege einer Waldschnepfe musste bei dem Feuer dran glauben. (Foto: Frank Richter/Nationalparkverwaltung)

Ein Großaufgebot an Feuerwehrleuten war nötig, um den gefährlichen Brandherd unter Kontrolle zu bringen: 49 Mann, fünf Löschzüge und rund 23000 Liter Wasser. Erst in den Abendstunden konnten die Kameraden Entwarnung geben. Das Waldstück bleibt aber unter Beobachtung – heute halten zwei Nationalparkranger am Einsatzort Wache. Nicht nur das Riffwäldchen wurde vom Feuer verwüstet. Auch das Gelege einer Waldschnepfe – ein seltener und geschützter Bodenbrüter – wurde ein Opfer der Flammen.

Brandursache ist eindeutig

Nicht immer sind die Brandursachen so eindeutig auszumachen, wie jetzt am Frienstein. Dort wurden eine verlassene Feuerstelle und zwei Haufen frisch gesammeltes Holz gefunden. „Mir ist unverständlich, wie jemand, der unberührte Natur um sich herum haben will, auf so einen riesen Bockmist kommt“, sagte Nationalparksprecher Hanspeter Mayr zum Sandsteinblogger. Es ist der zweite Vorfall innerhalb kurzer Zeit. Erst kürzlich hatte ein Grill an der Häntzschelstiege für erheblichen Wirbel gesorgt. Glücklicherweise ging die Sache gut aus. (Einen Kommentar gibt es –> hier)

Brandursache
Die Brandursache – eine illegale Feuerstelle mitten im Wald. (Foto: Maik Hille/Nationalparkverwaltung)

Riffbrände, die durch illegale Feuerei ausgelöst werden, sind ein relativ neues Phänomen in der Sächsischen Schweiz. Frank Richter hat dazu seine eigene Vermutung. In den letzten Jahren habe sich das Besucherspektrum im Nationalpark spürbar verändert, sagt er. Auch früher habe es immer mal Ärger wegen illegaler Lagerfeuer gegeben, aber nicht in solchen Dimensionen. Meist blieb das Problem auf Boofen beschränkt. Auch dort sind offene Feuer verboten, aber die Gefahr eines Waldbrands ist geringer, weil unter Felsüberhängen der Boden oft steinig oder sandig ist, sodass schwelende Glut keine Nahrung findet. Auf trockenem Waldboden sieht die Sache ganz anders aus. Die dünne Humusschicht in Riffwäldern ist von Myriaden kleiner Haarwurzeln, Nadeln und Blattresten durchsetzt, an denen sich ein Schwelbrand entlangfressen kann. Selbst wenn das Feuer gründlich ausgetreten wird, kann sich der Boden darunter erneut entzünden, unter dem Humus schmort und kohlt es weiter und breitet sich in alle Richtungen aus, bis es schließlich – manchmal an einer völlig anderen Stelle – erneut zu lodern beginnt.

Abseits von allen Wegen und Pfaden

Das Problem mit der Feuerei ist kein kleines. Laut Nationalparkchef Dietrich Butter wurden im vergangenen Jahr 350 illegale Feuerstellen im Nationalpark entdeckt. Ihm fehle für diese Art des „zerstörerischen Naturerlebens“ jegliches Verständnis, sagt Butter. Dass neuerdings mitten im Busch auf Riffen gefeuert wird, ist besonders besorgniserregend. An so einer Stelle verbietet eigentlich schon der gesunde Menschenverstand jegliche Lagerfeuerromantik. Hinzu kommt, dass es im Elbsandsteingebirge seit Tagen nicht geregnet hat und das Unterholz extrem trocken war. In der Sächsischen Schweiz herrscht zurzeit Waldbrandwarnstufe 3. Mit dem traditionellen Klettern und Wandern hat der Vorfall wohl nichts zu tun – schon eher mit der zunehmenden Erlebnis- und Outdoorbegeisterung einer breiten Masse von Leuten, die selbst über wenig Naturverständnis verfügen. Frank Richter hat einen Verdacht: „Das sind Abenteuergruppen, die die Sächsische Schweiz als ihren großen Spielplatz betrachten“, vermutet er. Eines ist auffällig an dem Vorfall: Die Verursacher des Waldbrands müssen über erstaunlich gute Ortskenntnisse verfügt haben. Sicher nicht zufällig haben sie sich einen hübschen Platz im Nirgendwo ausgesucht. Die Wahl des Ortes deutet sogar darauf hin, dass sich die Täter der rechtlichen Konsequenzen ihres Treibens bewusst waren. In einer Boofe wäre das Risiko des Entdecktwerdens größer gewesen. Im Niemandsland abseits aller markierten Wege und Pfade herrscht Ruhe. Für gewöhnlich laufen dort keine anderen Leute herum. Nicht mal die Ranger.

6 Kommentare zu Waldbrand am Frienstein

  1. Ganz ehrlich, mir kommt das kalte Reihern, wenn ich solche Geschichten lese. Diese Deppen machen alles zunichte, was an mühsamen Kompromissen zwischen Wanderern und der Nationalparkverwaltung ausgehandelt wurde. Wir als „IG Stiegen- und Wanderfreunde“ brauchen jetzt sicher auf absehbare Zeit nicht mehr um den einen oder anderen gesperrten Weg zu ringen. Das Gegenargument liegt ja auf der Hand. Wie kann man nur so dämlich sein, bei staubtrockenem Waldboden ein Feuer anzumachen?
    Aber leider hab ich selbst auch schon solche Konsorten erlebt. Großer Zschand, Abzweig Richterschlüchte – so um die zehn Leute, gar nicht mehr so blutjung, hatten da einen Grill aufgebaut. Und als ich sie daraufhin ansprach, bekam ich den verbalen Stinkefinger in schwäbischem Dialekt gezeigt.
    Eigentlich sollten die Ranger der Nationalparkverwaltung genau solchen Mist unterbinden. Aber die sind ja entweder damit beschäftigt, den Grenzweg zu bewachen, oder ganz zweckentfremdet beim „Waldumbau“ mit schwerer Technik die Natur umzupflügen. Großer Mist.

  2. Da kann ich nur mit Kopf schütteln. Wozu muss man in der Sächsischen Schweiz noch ein Feuerchen machen? Grillen in der Sächsischen Schweiz muss meiner Meinung nicht sein. Lagerfeuerromantik kann man auch woanders haben, ohne gleich ein Waldstück in Schutt und Asche zu legen.

  3. Lagerfeuer im Wald, Grillschrott auf dem langen Horn, das kenne ich aus Landesnachrichtensendungen eigentlich nur von den Dresdener Elbwiesen und vom Berliner Tiergarten. Haben die Barbaren nun auch das Elbi für sich entdeckt? Augen auf, Naturfreunde !! Diese Menschen gehören an den Pranger und vor Gericht! Nicht umsonst wurde der Gaskocher erfunden. Gerade weil sich der kleine aber feine Elbsandstein nicht in den sagenhaften Nebeln von Albion verstecken läßt, (Das können ohnehin nur die Briten) sollten alle Naturfreunde achtsam sein.

  4. Auch der Gaskocher ist im Staubtrockenden Wald eine Waffe.In falschen Händen.Deshalb lasst es einfach sein Feuer im Wald zu machen.Egal ob Frühling,Winter,Sommer,Herbst.Muss man das jetzt noch Riskieren?Dadurch schadet sich jeder nur selber.Der Verstand setzt wenn es nicht mehr weiter geht.

  5. Kurze Frage dazu, weil ich bei meiner Suche mit den Schlagworten ’sächsische Schweiz Gaskocher erlaubt?‘ hier gelandet bin.

    Fällt Gaskocher unter ‚offenes Feuer‘? Und ich rede jetzt nicht davon einen Heizpilz und 10kg Propanflasche mitzuschleppen sondern den minibrenner mit Windschutz für den Kaffee in der Wanderpause)

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