Zum K(l)otzen, dieser Riss!

Kletterin unter Felsdach
Schafft sie´s oder schafft sie´s nicht? Die neuseeländische Spitzenkletterin Mayan Smith-Gobat am berüchtigten Klotzriss in der Sächsischen Schweiz. (Foto: Hartmut Landgraf)

Nur zehn Begehungen in 30 Jahren – das sagt alles über den Klotzriss am Frienstein, einen der schwierigsten Risskletterwege im Elbsandsteingebirge. Sowas reizt die Neuseeländische Spitzenkletterin Mayan Smith-Gobat. Aber ob sie´s auch schafft?

Am Weg zur Idagrotte bildet sich Stau. Wanderer starren mit verhaltenem Atem zum Frienstein hinauf – dort oben, unter einem weit überhängenden Dach, kämpft eine Frau gegen die Schwerkraft. Sie versucht mit verzweifelter Anstrengung, in einen Felsspalt zu gelangen, spannt den Körper an, keucht, hangelt ein Stück aus dem Winkel heraus das Dach  entlang – beide Hände im Riss, beide Füße mit aller Kraft gegen die Wand gestemmt. Plötzlich rutscht sie weg, lässt los, stürzt – ein erschrockenes Raunen geht durch die Menge – dann hängt sie in ihrer Sicherung. Schnitt!

Felsriss
1986 wurde dieser Weg erstmals geklettert – und das war´s dann auch fast: nur zehn Wiederholungen in 30 Jahren. (Foto: Hartmut Landgraf)
Man und Frau im Gespräch
Mayan im Gespräch mit Erstbegeher Uwe Lange. (Foto: Hartmut Landgraf)
Interviewszene mit Frau und zwei Männern
Und? Spinnen die wirklich, die Sachsen? Wir müssen reden… Biwak-Moderator Thorsten Kutschke und Bergsichten-Chef Frank Meutzner (an der Kamera) mit Mayan Smith-Gobat. (Foto: Hartmut Landgraf)

Dreharbeiten für einen Kletterfilm an einem der schlimmsten Risse der Sächsischen Schweiz – am Klotzriss. Uwe Lange hat gut reden: „Nach fünf Metern hast du das gelöst“, sagt er ruhig. Lange gehört zu den Wenigen, die das so locker sagen dürfen – er hat diesen Parcours schon vor mehr als 30 Jahren gemeistert. Der Weg (mit sächsisch VIIIc eher unterbewertet) ist für seine Widrigkeiten berüchtigt. Auch Spitzenleute mussten unter dem weit ausladenden Felsdach auf der Westseite des Friensteins schon das Handtuch werfen. Uwe Lange und sein Seilgefährte Steffen Roßburg waren 1986 die Ersten, die im Kampf mit dem Klotzriss die Oberhand behielten. Man könnte auch sagen, sie waren die Ersten, die mit dem Fuß überm Kopf der Erdanziehungskraft trotzen konnten – der Weg erfordert eine sehr spezielle Klettertechnik. „Ich bin da dreimal rausgescherbelt“, erinnert sich der Sachse.

Mann hangelt mit Steigklemmen am Seil hoch
Alle auf ihre Posten! Bergsichten-Chef Frank Meutzner jümart zu seiner Kamera-Position an der Schlüsselstelle. (Foto: Hartmut Landgraf)
Kletterer vor Fels
Kletterass Felix Maul – Er hat den Klotzriss im Sommer geschafft. (Foto: Hartmut Landgraf)
Kletterer in schwerem Riss
So vielleicht? Felix Maul versucht es erneut… (Foto: Hartmut Landgraf)
Frau klettert Felsriss
Mayan ist am Zug. Noch sieht´s ziemlich entspannt aus. Auf dem Weg zum Ring. (Foto: Hartmut Landgraf)
Frau klettert Felsriss
Bis hier war´s vertiakles Klettern – jetzt geht´s in die Horizontale. (Foto: Hartmut Landgraf)
Frau hangelt an Felsdach
Oder doch nicht? Mayan versucht es mit Hangeln… Rein theoretisch müsste auch das funktionieren. Aber die Wand ist eben auch glatt wie eine polierte Tischplatte. (Foto: Hartmut Landgraf)
Frau klettert an Felsdach
Noch eine Armlänge weiter nach rechts – dann passt der Oberkörper in den Riss. (Foto: Hartmut Landgraf)
Mann guckt am Fels hoch
Komm, noch einen halben Meter…! Biwak-Moderator Thorsten Kutschke zwischen Hoffen und Bangen… (Foto: Hartmut Landgraf)
Mayan Smith-Gobat über ihre spektakuläre Wiederholung der legendären Ostwand des Torre Central. Ein Interview mit der neuseeländischen Spitzenkletterin >>> hier lang!

Diesmal kann er entspannt zuschauen, wie sich eine Rissexpertin vom anderen Ende der Welt an seiner Route die Arme auskugelt. Mitte Oktober lässt sich die neuseeländische Spitzenkletterin Mayan Smith-Gobat für eine Filmproduktion des Dresdner Bergsichten-Festivals mit MDR BIWAK auf den Kraftakt ein. Mayan fühlt sich in 1000-Meter-Wänden zu Hause, aber der Klotzriss mit seiner berüchtigten Fuß-über-Kopf-Schlüsselstelle hat sie gepackt. „Ich mag solche komische Sachen“, sagt sie. Wie „komisch“ die entscheidenden fünf Meter tatsächlich sind, zeigt schon eine Zahl – nur zehnmal wurde der Klotzriss in 30 Jahren durchstiegen. Auch Mayan hat sich an dem Weg schon mal geschlagen geben müssen – beim ersten Versuch im Sommer blieb das Rissdach Sieger. Diesmal will es die Neuseeländerin anders machen. Sie steigt mit einem Kletterass aus Sachsen in die Route ein: Felix Maul. Der hat den Klotzriss ein paar Wochen vor ihr gemeistert – und weiß, wie es geht. Heimvorteil. Aber bevor sie sich Tipps geben lässt, will es Mayan nochmal alleine versuchen. „Dinge, die ich nicht geschafft hab, lasse ich nicht gerne offen“, sagt sie.

Nächster Versuch: Wieder hangelt die Neuseeländerin zurück an die kritische Stelle, stemmt sich mit aller Macht gegen die Wand, die Muskeln spielen, der Fuß steht – wieder halten die Zuschauer den Atem an. Zentimeter um Zentimeter arbeitet sie sich an dem Rissdach weiter nach außen, verlagert das Körpergewicht – jetzt müsste sie bloß noch den Oberkörper in den Riss bringen. Da: Das eine Knie klemmt anscheinend schon. Schnitt!

Schafft sie´s oder schafft sie´s nicht?

Ob Mayan Smith-Gobat mit dem Klotzriss fertig wird, erleben die Besucher des Bergsichten-Festivals zur Premiere des Films „K(l)otzriss – Traum oder Albtraum“ von Frank Meutzner und Thorsten Kutschke: 18. November, 17.45 Uhr im Filmblock Abenteuer Sandstein, im Hörsaalzentrum der TU Dresden – Zusatzveranstaltung am 16. November, 20 Uhr.

Weitere Highlights des Bergsichten-Festivals:

  • Kletterstar Adam Ondra und Heinz Zak – live über die härtesten Routen der Welt
  • Profibergsteigerin Ines Papert – live über ihr Abenteuer an der Ostwand des Torre Central
  • Kajak-Berserker Olaf Obsommer – live über Bike & Boot in den Alpen
  • Buch-Premiere mit Peter Brunnert – „Bernd Arnold – Ein Grenzgang.“ Außerdem ein Filmspecial über den sächsischen Kletterpionier anlässlich seines 70. Geburtstags.

Das ganze Bergsichten-Programm>>> www.bergsichten.de

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