Wer um Wasser bittet, bettelt nicht

Felslandschaft, davor gießt jemand Wasser aus einer Glaskaraffe in einen Trinkbecher
Trinkpause unterwegs... (Foto: Dana Landgraf)

Die Bitte um Wasser sollte keinem Wanderer peinlich sein, findet der Bad Schandauer Kartograf Rolf Böhm. Über orientalische Gastfreundschaft in der Sächsischen Schweiz.

Ein paar Gedanken zur Wanderreportage >>> „Heim nach draußen“

Rolf Böhm (Foto: Hartmut Landgraf)

Als Antwort Hartmut,

Leute um Wasser zu fragen ist keine Bettelei! Das triffts nicht richtig, es ist durchaus auch Inanspruchnahme von „orientalischer Gastfreundschaft“, auf die man „einen Rechtsanspruch hat“. Ab Siedlungsgröße Dorf war Jahrtausende lang der öffentliche Brunnen normal, das gibts ja heute noch völlig problemlos z. B. in Spanien und selbst in Berlin stehen noch die Pumpen rum (freilich funktionsuntüchtig). Unter Siedlungsgröße Dorf, in dünner Besiedlung musst du eben die Leute fragen. Als wir „früher“ durch Altvater, Harz, Böhmerwald, Karpaten, Thüringen getippelt sind, war Wasser fassen neben der Suche nach einer Quelle auch Suche nach einem Haus.

Es ist aber auch bissl eine Frage der Menge. Ich hatte auch immer nur eine 1,5-Liter-Flasche dabei. Muss man also etwa pro Tag 1 x fassen.

Erst wenn „eine Wanderregion“ „touristisch“ geworden ist, nimmt es überhand, und weils dann die Anmutung von Bettelei bekommt, schämst du dich und damit du nicht so oft „betteln musst“, kommst du mit dem 10-Liter-Boofenkanister. Gastfreundschaft ist auch eine Frage des rechten Maßes. Dem Gastgeber die Scheune leer futtern ist gewiss im Orient auch nicht gut gelitten. Der Kneiper antizipiert das Ansinnen dann schon mal mit der Einrede des hohen Wasserpreises.

Wobei das Mineralswasser Null Zwo für Drei fuffzig dann das andere Ende der kulturphilosophischen Fahnenstange ist. Aber auch hier gilt, Wasser ist Leben. Das kostenlose Glas Wasser ist für jeden Gastwirt Pflicht. Ist nur ungebräuchlich geworden, Leitungswasser zu bestellen. In Frankreich hat es übrigens eine Weile gedauert, bis wir die Aufgabe gelöst hatten, das Wasser zum Wein nicht jedesmal fast noch teurer als den Wein selbst zu bezahlen. Wie machen das die Franzosen? Nun, die bestellen eben kein Mineralwasser, sondern eine „Caraffe“.

Herzliche Grüße

Rolf

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*