Die Elfenkönigin

Eine Besonderheit des linksseitigen Elbsandsteingebirges kommt einer seltenen Libellenart zugute: der Gestreiften Quelljungfer. Sie ist hübsch und zart wie eine Elfe. Und äußerst beutehungrig. Die Geburt einer wahren Königin – die sich am Ende als König entpuppt.

Eine echte Elbsandstein-Königin ist sie, hübsch und majestätisch anzuschauen, mit leuchtend gelben Streifen am ganzen Körper und seidig schimmernden Flügeln – die Gestreifte Quelljungfer, eine äußerst seltene und in Sachsen vom Aussterben bedrohte Libellenart. Die zahlreichen Quellen und Waldbäche im Gebiet zwischen Krippengrund und der böhmischen Grenze sind ihr Reich. Doch es braucht Glück und Erfahrung, um sie aufzuspüren.


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Mit Unterstützung des Vereins der Freunde des Nationalparks Sächsische Schweiz

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Dabei hätte sie gleich in mehrfacher Hinsicht ungeteilte Aufmerksamkeit verdient: Libellen gehören zu den ältesten fliegenden Insekten der Erde. Ihre Vorfahren schwirrten bereits durch die feuchtwarmen Sumpfwälder der Steinkohlezeit – vor mehr als 300 Millionen Jahren. Lange, bevor die ersten Dinosaurier auftauchten. Mehr noch: Sie sind schon früh zu einem Erfolgsmodell der Evolution gereift, so perfekt, dass sich ihre Körper seit 150 Millionen Jahren kaum noch grundlegend verändert haben. Im Reich der Insekten stechen Libellen durch nahezu einzigartige Flug- und Beutefangtechniken heraus, dank derer sie zu den besten Jägern der Welt zählen – präziser und erfolgreicher als Spitzenprädatoren wie der Löwe oder der Weiße Hai. Libellen jagen vorausschauend. Sie fliegen nicht dorthin, wo die Beute ist – sondern dorthin, wo sie als nächstes „sein wird“. Und weil sie so dermaßen flink unterwegs sind, ist der beste Moment, um sie in Ruhe zu beobachten – ihre Geburt. >>> Zum Beitrag aufs Bild klicken!

Auf der Suche nach Libellen

Anfang Juni, mitten im größten Waldgebiet der Sächsischen Schweiz. Wenn überhaupt, dann haben wir hier und jetzt die Chance, sie aufzuspüren: die Gestreifte Quelljungfer. Die Gegend ist reich an Quellen und klaren Waldbächen. Solche mit sandigem Bett und einem appetitlich darauf angerichteten Protein-Buffett aus Bachflohkrebsen. Genau das lieben die Larven der Gestreiften Quelljungfer. Und jetzt, Anfang Juni, ist ihr großer Moment. Dann klettern sie nach fünf Jahren Gefangenschaft endlich aus dem Wasser, zwängen sich aus ihrem Larven-Korsett, entfalten die Flügel und steigen zum Licht. Die beste Zeit für Fotos.

Fotos: Hartmut Landgraf

Suche vergeblich: Egal, wie viel Mühe sich Jürgen Phoenix und sein Kollege Kai Noritzsch hier auch geben, das Tal an der Gautschgrundquelle wird einige Jahre brauchen, um für Libellen wieder interessant zu werden. Der Borkenkäfer hat die alten Fichtenbestände dezimiert, das plötzliche Licht lässt unten alles ins Kraut schießen – und so verschwindet der Bach. Den aber brauchen die Larven der Gestreiften Quelljungfer zum Leben. Aber Hilfe ist schon unterwegs: Mitarbeiter der Nationalpark- und Forstverwaltung haben Erlen und Ulmen gepflanzt, für einen neuen Wald. Irgendwann kommen auch die Libellen zurück.
Wie die Gestreifte Quelljungfer in ihre viel kleinere Larvenhaut gepasst hat, darüber staunen selbst Insekten-Experten wie Jürgen Phoenix. Dem Korsett entkommen, entfaltet sie ihre Flügel und muss dann zunächst ein paar Stunden trocknen und aushärten, bevor sie in ihr kurzes Libellen-Leben aufbricht. Nach vier bis sechs Wochen ist ihre Zeit schon um.

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