Schräg drauf

Geologische Drift: Das größte Klettergebiet der Sächsischen Schweiz gerät aus dem Lot – langsam, über Jahrmillionen. Wer das Geheimnis der wandernden Felsen im Bielatal verstehen will, muss gedanklich zu ihrem Ursprung reisen. In eine Welt aus Wasser.

„Im Grunde genommen stammt der Mensch aus den Bergen.“ Was Kletterer auf der ganzen Welt instinktiv schon immer wussten, haben Wissenschaftler der Universität Tasmanien vor einigen Jahren eindrucksvoll belegt. Ein Team um den Geochemiker Ross Large bewies erstmals, dass die Bewegungen der Erdkruste und die Entstehung und Erosion von Gebirgen die Chemie der Ozeane verändern – eine zentrale Grundlage des Lebens. Die Evolution werde somit maßgeblich von der Plattentektonik gesteuert, erklärte der Professor 2016 in einem Interview – und fasste die Erkenntnis in einem viel beachteten Satz zusammen (s.o.).


Elbsandstein-Touren | Reisereportagen


Mit Unterstützung des Vereins der Freunde des Nationalparks Sächsische Schweiz

Kompass Natur – Alle Folgen


Nicht nur das Leben, auch das Elbsandsteingebirge verdankt den Verschiebekräften der Erde seine ganz spezielle Form. Am besten lässt sich das im größten Klettergebiet der Sächsischen Schweiz beobachten: im Bielatal. Denn dort ist einiges sichtlich in Bewegung und aus dem Lot. Die Felsen neigen sich zu Tal und „wandern“ – langsam und kontinuierlich, über Jahrmillionen. Wer das Geheimnis dieser Landschaft verstehen will, muss gedanklich zu ihrem Ursprung reisen. 95 Millionen Jahre in die Vergangenheit. In eine Welt aus Wasser.

>>> Zum Beitrag aufs Bild klicken!

Wenn Berge aus der Reihe tanzen

Um die eigentümlichen Landschaftsformen des Elbsandsteingebirges zu verstehen, muss man sie aus Sicht eines Geologen betrachten. In der Kreidezeit vor 95 Millionen Jahren ist das Gebiet eine Meeresstraße zwischen zwei Inseln, die den südlichen Ur-Ozean Thetys mit dem borealen Nordmeer verbindet. In dieser Straße herrscht eine starke Strömung, die beständig Kiesel, Sand und Schlamm von den Flussmündungen ins Meer trägt. Diese Prozesse sind der Anfang einer langen Entstehungsgeschichte, die in unbeschreiblich langer Zeit einen riesigen Skulpturenpark von Felstürmen und Tafelbergen aus Sandstein hervorbringt.

Fotos: Hartmut Landgraf

Mitteleuropa in der Kreidezeit vor rund 95 Millionen Jahren: eine Welt aus Wasser und exotischen Inseln. (Bild mit KI erstellt)

Links: Über Millionen von Jahren setzen sich im Kreidemeer die Sande und Abriebe urzeitlicher Landschaften ab, bis sie unter ihrem eigenen Gewicht zu Sandstein verpresst werden. Rechts: Die vereinten Kräfte von Tektonik und Erosion verwandeln den Sandstein schließlich in einen riesigen Skulpturenpark aus zerklüfteten Felstürmen.

Eine vergleichsweise weiche Mergel-Sedimentschicht unterm Sandstein verursacht im Bielatal eine kontinuierliche Abwärts-Drift der Felsmassen.
Die Bennohöhle ist eine Klufthöhle im Bielatal, die sich durch das Auseinanderdriften von Sandsteinschichten und herabstürzende Trümmerblöcke geformt hat.
Der Spannagelturm gehört zu den prominentesten Gipfeln im Bielatal. Mithilfe eines Lots wird die starke Talneigung des Felsens deutlich.

 

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*