Dieser Trail(er) macht Lust auf mehr

Hinweistafel mit Aufschrift Trekkinghütte
Die Saison auf dem Forststeig geht von April bis Ende Oktober, im Winter sind die Trekkinghütten am Weg geschlossen. (Foto: Hartmut Landgraf)

Vor-Premiere: In gut vier Monaten beginnt die erste Wandersaison auf dem Forststeig. Und schon jetzt ist auf dem neuen Elbsandstein-Trail allerhand in Bewegung. Ein Kommentar.

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Hartmut Landgraf, Herausgeber
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Mit neuen Wanderwegen verhält es sich so wie mit frisch gepflanzten Bäumen: Erstmal müssen sie gut „anwachsen“, dann brauchen sie noch jede Menge Pflege – aber irgendwann bilden sie stabile Wurzeln, sind ein natürlicher Teil der Landschaft und als solcher nicht mehr zu übersehen. Vom Baumpflanzen haben Sachsens Förster von Berufs wegen Ahnung. Vom Wanderwegeplanen offenbar auch. Gut vier Monate vor Eröffnung des neuen Forststeigs deuten alle Anzeichen darauf hin, dass die vom Sachsenforst gemeinsam mit der tschechischen Forstverwaltung initiierte erste Trekking-Route des Elbsandsteingebirges genau an der richtigen Stelle verläuft – durch die weniger bekannten und mithin auch geringer frequentierten linkselbischen Teile der Sächsischen Schweiz. Denn diese versprechen rucksackbepackten Weitwanderern genau das Abenteuer und Naturerlebnis, das sie suchen: möglichst großen Abstand vom Alltag und von der Zivilisation.

Entsprechend verheißungsvoll verlief bisher die Vor-Premiere des Forststeigs: Die Zahl der Übernachtungen in den entlang der Route eingerichteten Trekking-Hütten und Biwakplätzen ist in den vergangenen zwei Jahren kräftig angestiegen – obwohl es den eigentlichen Trail noch gar nicht gibt, erst in diesem Herbst begannen die Markierungsarbeiten. Am Dienstag legte die in den linkselbischen Wäldern zuständige Neustädter Sachsenforstbehörde in Bad Schandau erstmals aussagekräftige Vergleichswerte der Wandersaison 2016 und 2017 auf den Tisch. Demnach wurden 2017 mehr als doppelt so viele Übernachtungstickets verkauft wie 2016 – insgesamt 1350. Eingelöst wurden 748, ebenfalls fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Der Anstieg lässt sich nur teilweise auf die schrittweise Erweiterung des Hüttennetzes zurückführen. Mittlerweile gibt es zwei Biwak-Plätze und vier Trekking-Hütten entlang der Route – als letzte wurde im September die Haselmausbaude eröffnet. In der nächsten Saison soll ein weiteres Biwak am Spitzen Stein und eine Hütte im Beutwald oberhalb vom Bielatal hinzukommen. Das Mehr an Übernachtungsmöglichkeiten bedeutet aber nicht zwangsläufig auch ein Mehr an Wanderern und Übernachtungsgästen. Die viel wahrscheinlichere Begründung lautet: Das Erlebnis als solches zieht! Dafür sprechen u.a. die von Wanderern hinterlassenen Einträge und Kommentare in den Hüttenbüchern, die der Sachsenforst ausgewertet hat. Kräftigen Auftrieb bekommt das Projekt darüber hinaus durch das breite und bislang überwiegend positive Medien-Echo, das es erfährt.

Zugleich liegt darin eine der größten Versuchungen und Herausforderungen für die Öffentlichkeitsarbeit und das künftige Trailmanagement des Forststeigs – denn nur als schickes Prestigeobjekt wäre die ihm innewohnende Idee von vornherein zum Scheitern verurteilt. Genau wie Nationalparks bergen Trekkingpfade in den Vorstellungen und Erwartungen ihrer Nutzer nämlich ein Versprechen: auf möglichst unmittelbare, unvermittelte und ungestörte Natur- und Selbsterfahrungen. Das erfordert in Mitteleuropa einiges mehr an Überlegung, Planung und gegebenenfalls auch Inszenierung als beispielsweise in Nordschweden oder Kanada. Denn erfüllen sie diese Erwartung nicht, haben Trekkingrouten auf längere Sicht keinen Erfolg. Werden sie ihr jedoch gerecht, können sie auch leicht – das ist das Dilemma und schon einigen allzu namhaften Klassikern passiert – ein Opfer ihres Erfolgs werden. Überlaufen und ausgelatscht – ein Rausschmeißer für jeden abenteuerhungrigen Backpacker. Auf dieser Gratwanderung bewegen sich die Macher genau wie die Befürworter des Elbsandstein-Trails, zu denen neben der Neustädter Forstbezirksbehörde und den Touristikern auch die Nationalparkverwaltung gehört. Das bezweckte Erlebnis für die Trekkingfans und der „Erfolg“ des Forststeigs werden davon abhängen, dass er überregional nicht wie ein zweiter Malerweg beworben und vermarktet wird, sondern sich seinen eigenen, andersartigen Charakter bewahrt: den eines stillen, naturbelassenen und körperlich anspruchsvollen Wald- und Felsenpfads mit Übernachtungsplätzen im Freien, für Leute, die eine andere Gangart lieben.

Faszination Trekking

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Das verlangt von den Initiatoren ein Gespür für die Erlebniswelt der Trekker, aber auch ein hohes Maß an Reaktions- und Anpassungsvermögen innerhalb ihrer gesetzlichen Leitplanken. Der Forststeig verläuft, wie Nationalparkchef Dietrich Butter andeutet, durch „sensible Bereiche“ im Landschaftsschutzgebiet, die zeitweise Routenänderungen erforderlich machen können – etwa in der Brutzeit. In letzter Konsequenz ist diese Rücksicht aber gar nicht mal so sehr dem Uhu oder Wanderfalken zuliebe nötig, sondern weil das, was mit dem Forststeig und dem Thema Trekking langfristig an Naturverständnis und Bewusstsein für die Elbsandsteinregion und ihre Entwicklungsmöglichkeiten gewonnen werden kann, der eigentliche Mehrwert des Projekts ist. Ein zu hohes Gut, um es schnellen oder geringeren Zielen zu opfern.

Naturerlebnis zu vermitteln und etwas gegen die Naturentfremdung insbesondere junger Menschen zu tun, sind erklärte Ziele des Projekts, wie Forstbezirkschef Uwe Borrmeister und Nationalparkchef Dietrich Butter in Bad Schandau einhellig betonten. Effekte, die sich kaum in Zahlen messen lassen werden. Der Sachsenforst dreht aber schon jetzt in diesem Sinne an einer möglichen Stellschraube – und senkt den Übernachtungspreis für Jugendliche bis 17 Jahre von bislang fünf auf nunmehr einen Euro. Gültig ab Beginn der neuen Saison. Nun muss er also nur noch auf die Welt kommen, der Forststeig. In gut vier Monaten ist es soweit – erster Saisonauftakt auf dem rund 100 Kilometer langen Weg, der über insgesamt zwölf Tafelberge und durch einige der schönsten Gebiete der linken Elbseite führt. Der Trailer des Forststeig-Abenteuers macht Lust auf mehr. Mitte April beginnt die eigentliche Geschichte.

Man und Frau ruhen sich auf Felsplateau aus
Zwei Trekker halten Mittagsrast auf dem Hohen Schneeberg – mit Blick ins böhmische Mittelgebirge. (Foto: Hartmut Landgraf)

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